Am 2. Juli 2025 versammelten sich über 120 Fachleute aus der Steuerberatung in der Verbandsgeschäftsstelle Berlin-Brandenburg zum TaxVisionDay 2025 – einem Zukunftstag rund um die Frage, wie Künstliche Intelligenz die Steuerberatung verändert.
Nach einer inspirierenden Keynote von Bilal Zafar über KI als Gamechanger wurde in der Podiumsdiskussion intensiv darüber diskutiert, ob KI mehr Innovation oder doch eher Risiko bedeutet. Besonders im Fokus: die berufsrechtlichen Herausforderungen, die Abhängigkeit von US-amerikanischen Anbietern und die Frage, wie europäische KI-Lösungen zu mehr Datensouveränität und Sicherheit beitragen können.
Im Anschluss an die Diskussion vertieften vier Parallel-Sessions zentrale Aspekte wie KI-Strategien, Infrastruktur, Prozesse und Datenbanken in der Steuerberatung.
Zwei der Panelteilnehmenden – Luisa Stalla, Managerin Digitale Transformation beim Deutscher Steuerberaterverband e.V. und Martin Grau, TaxTech-Pionier und milia.io-Nutzer der ersten Stunde – haben sich im Nachgang Zeit genommen, um ihre Eindrücke im Interview zu reflektieren.
Ein Gespräch über Pragmatismus, Haltung – und die Notwendigkeit, jetzt aktiv zu gestalten.
Im Gespräch: Luisa Stalla & Martin Grau
„KI in der Steuerberatung: Gestalten statt verwalten“
Luisa:
Martin, du hast im Panel und später in deiner Session betont, dass Kanzleien jetzt handeln müssen, wenn es um KI geht. Was treibt dich dabei besonders an?
Martin:
Ich sehe zu viele Kanzleien, die abwarten – oder „einfach mal ein Tool ausprobieren“, ohne Ziel. Dabei braucht es Strategie: Prozesse analysieren, Use-Cases definieren, gezielt testen und daraus lernen. Nur so wird KI im Kanzleialltag wirksam.
Luisa:
Das war auch meine zentrale Botschaft: Wir müssen die digitale Transformation bewusst gestalten. KI kann extrem viel leisten – aber nur, wenn wir wissen, wofür.
Martin:
Absolut. Ich habe in meiner Session gezeigt, welche Kanzleiprozesse man bereits heute automatisieren kann – zum Beispiel wiederkehrende Kommunikation, Datensynchronisation oder Vorabanalysen. Aber auch: Wie wir dabei Mensch und Berufsethos nicht verlieren dürfen.
Vom Spieltrieb zur Struktur
Luisa:
Was ich oft beobachte: Es wird zu viel „gespielt“, aber zu wenig evaluiert. Wie holst du Teams aus dieser Haltung?
Martin:
Indem man gemeinsam echte Mehrwerte herausarbeitet. Was bringt Zeit? Was bringt Qualität? Spielen mit Zielen, um sich zu messen motiviert die Teams selbst auszuprobieren und von Anfang an aktiv die Kanzleientwicklung aktiv mitzugestalten.
Luisa:
Das ist auch meine Erfahrung: KI muss den Arbeitsalltag einfacher machen – sonst wird sie nicht akzeptiert. Und: Sie darf nicht nur die Kanzleileitung betreffen.
Beratung neu denken
Luisa:
Bilal Zafar hat im Panel einen tollen Gedanken geteilt: Dass Steuerberater Berichte so gestalten sollten, dass Mandanten sie sich an die Wand hängen wollen. Was macht das mit dir?
Martin:
Ich fand das großartig. Es zeigt: Wir müssen nicht nur fachlich präzise, sondern auch verständlich und wirksam beraten. Das ist das neue Qualitätskriterium.
Luisa:
Ich glaube auch: Wenn Beratung nicht nur korrekt, sondern auch klar und schön präsentiert ist – dann entsteht echter Mehrwert. Und genau dafür kann KI ein Werkzeug sein.
Zum Abschluss: Unsere Botschaften
Martin:
Meine Botschaft: Werdet zu aktiven Gestalter*innen! Die Tools sind da – aber sie brauchen euren Willen zur Veränderung.
Luisa:
Und meine: Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass Digitalisierung nicht nur ein Projekt ist – sondern Teil unserer Haltung als Berater*innen.
Von Steuerberaterkammer Niedersachsen
Von Luisa Stalla, Deutscher Steuerberaterverband e. V.