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Am 29. Oktober 2025 fand das 9. KI-Forum der Steuerberaterkammer statt und entwickelte sich erneut zu einem zentralen Orientierungspunkt für den gesamten Berufsstand. Mehr als 400 Teilnehmende kamen zusammen, um gemeinsam einen Blick darauf zu werfen, wie tiefgreifend Künstliche Intelligenz den Berufsalltag bereits heute beeinflusst und welche Entwicklungen in den kommenden Jahren zu erwarten sind. Die Atmosphäre war geprägt von Neugier und Aufbruchstimmung – mit dem Bewusstsein, dass KI längst kein Zukunftsprojekt mehr ist, sondern sich bereits fest in den Kanzleialltag integriert hat. Viele Kanzleien arbeiten schon aktiv mit entsprechenden Werkzeugen, andere beginnen erst damit. Doch alle teilen dieselbe Frage: Wie lässt sich diese Technologie verantwortungsvoll, effizient und zum Nutzen der Mandanten einsetzen?
Die Referenten machten schnell deutlich, wie weit die Technologie inzwischen ist. Moderne KI-Systeme sind nicht nur leistungsfähiger geworden, sondern auch multimodal und damit in der Lage, sowohl Texte als auch Bilder, Audioinhalte oder strukturierte Daten zu verarbeiten. Für die Steuerberatung ist das besonders relevant, da viele Tätigkeiten auf genau solchen Datentypen basieren. Die Systeme unterstützen dabei, Informationen zu strukturieren, Fehler zu erkennen, komplexe Inhalte verständlich aufzubereiten oder große Datenmengen zu analysieren. Gleichzeitig erfordert der Einsatz besonders viel Sorgfalt, denn die Steuerberatung ist ein stark reguliertes Umfeld – und die Verantwortung bleibt stets beim Menschen.
Besonderen Mehrwert bieten die technischen Fortschritte im Bereich der Automatisierung von Routineaufgaben. Viele Beispiele zeigten, wie KI bereits heute in Kanzleien eingesetzt wird. Das beginnt bei der internen Organisation, etwa durch die automatische Vorsortierung von E-Mails, die Erstellung von Gesprächsprotokollen oder den Aufbau interner Wissensdatenbanken, die Mitarbeitenden schnell verlässliche Antworten liefern. Solche Werkzeuge erhöhen nicht nur die Effizienz, sondern verbessern auch die Qualität der internen Abläufe und reduzieren den manuellen Aufwand.
Auch in der Mandantenkommunikation bringt KI spürbare Erleichterungen. Sie hilft dabei, Fachtexte verständlich zu erklären, Schreiben vorzubereiten, Erläuterungen zu erstellen oder Informationen klar aufzubereiten. Die Beratung selbst bleibt Aufgabe des Steuerberaters, doch die Vorbereitung der Inhalte wird schneller und präziser. Dadurch entstehen sowohl Zeitgewinne als auch ein besseres Verständnis beim Mandanten.
In der Finanzbuchhaltung und im Lohnbereich zeigt die KI ihren Nutzen besonders deutlich. Belege können automatisiert klassifiziert, Sonderfälle in der Lohnabrechnung unterstützt und Unregelmäßigkeiten schneller erkannt werden. Auch bei Jahresabschlüssen und Steuererklärungen zeigt sich der Mehrwert: KI hilft bei Plausibilitätsprüfungen, erkennt fehlerhafte Eingaben, unterstützt bei der Anfertigung von Textteilen und verschafft dem Berater einen strukturierten Überblick. Viele der vorgestellten Lösungen sind bereits tief in gängige Softwareprodukte integriert und entwickeln sich kontinuierlich weiter.
Für Betriebsprüfungen und Compliance-Prozesse bietet KI zusätzlich ein enormes Potenzial. Die Analyse großer Datenmengen, das Auffinden von Auffälligkeiten sowie die Vorbereitung von Unterlagen werden zunehmend automatisiert. In diesem Bereich erwarten viele Experten besonders starke Veränderungen in den kommenden Jahren, da die Finanzverwaltung selbst ebenfalls verstärkt mit KI arbeitet.
Die Chancen für den Berufsstand wurden klar herausgestellt. KI ermöglicht deutliche Produktivitätssteigerungen, verbessert die Qualität der Arbeit, reduziert Fehlerquellen und hilft, dem Fachkräftemangel zu begegnen. Gleichzeitig steigert der Einsatz moderner Technologien die Attraktivität einer Kanzlei als Arbeitgeber – ein Faktor, der gerade für junge Fachkräfte immer wichtiger wird. Auch die Mandanten profitieren von besseren Erläuterungen, schnelleren Reaktionszeiten und einer klareren Kommunikation.
Neben all diesen Chancen müssen allerdings auch Risiken und Herausforderungen berücksichtigt werden. KI kann falsche Informationen erzeugen, weshalb verbindliche Qualitätskontrollen weiterhin zwingend notwendig sind. Datenschutz und Vertraulichkeit sind besonders sensibel, weshalb Kanzleien sichere Systeme nutzen und klare Regeln zum Umgang mit Daten einhalten müssen. Berufsrechtlich bleibt festzuhalten, dass KI niemals Beratung ersetzt, sondern ausschließlich unterstützend tätig werden darf. Die Verantwortung liegt stets beim Steuerberater. Dazu kommt die Frage der Haftung: Ergebnisse, die mit KI erstellt wurden, müssen kontrolliert und dokumentiert werden.
Großen Raum nahm der rechtliche Rahmen ein, insbesondere die EU-KI-Verordnung, die Systeme in verschiedene Risikoklassen einteilt. Für Steuerkanzleien bedeutet das zusätzliche Sorgfalts- und Dokumentationspflichten, insbesondere wenn Systeme eingesetzt werden, die im Compliance-Bereich analysierend wirken. Gleichzeitig gilt es, die DSGVO strikt einzuhalten, vor allem bei sensiblen Mandantendaten, die nicht ohne klare rechtliche Grundlage verarbeitet werden dürfen.
Abschließend gaben die Referenten klare Empfehlungen für die Praxis. Kanzleien sollten eine durchdachte KI-Strategie entwickeln, statt einfach einzelne Tools zu testen. Es lohnt sich, mit überschaubaren Pilotprojekten zu starten, die Mitarbeitenden intensiv zu schulen und verbindliche interne Richtlinien zu erarbeiten. Ebenso wichtig ist eine technische Infrastruktur, die Datenschutz und Datensicherheit gewährleistet.
Das 9. KI-Forum zeigte eindrucksvoll, wie stark künstliche Intelligenz die Steuerberatung bereits verändert hat – und dass dieser Wandel sich weiter beschleunigen wird. Kanzleien, die jetzt klug investieren, ihre Prozesse anpassen und ihre Teams mit auf den Weg nehmen, können von deutlichen Effizienzgewinnen und höheren Qualitätsstandards profitieren. Die Steuerberatung befindet sich mitten in einer ihrer größten Modernisierungen, und das Jahr 2025 markiert einen Moment, in dem viele Weichen für die kommenden Jahre gestellt werden.
Von Steuerberaterkammer Niedersachsen
Von Deutscher Steuerberaterverband e. V.